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Tageslauf - Jahreslauf – Gruppenleben


 

Das Leben in Rhythmen gibt uns allen eine große Kraft, die immer wieder zu überraschenden Entwicklungen führt. Solche Rhythmen leben besonders stark in den Festen des Jahreslaufes, sowie im wiederkehrenden Rhythmus des Tages mit seinen festen Zeiten für Anspannung und Loslassen.
Die Schützlinge nehmen Frühstück und Abendessen in ihrem jeweiligen Gruppenraum ein. Das Mittagessen findet gemeinsam im großen Eßraum statt.
So entsteht ein rhythmischer Prozeß, ein Sich-Treffen der Schützlinge und wieder Auseinandergehen, ein Aus- und Einatmen zwischen den Gruppen.
In der Zwischenzeit wechseln Arbeitsmöglichkeiten vor- und nachmittags. Der Abend wird dann in den Gruppen gestaltet mit möglichst musikalisch-künstlerischen Aktivitäten. Hier werden auch die

Veranstaltungen des Kultur - und Tagungszentrums

Haus Michael besucht, so daß in dieser Zeit die Konzert- und Theaterbesuche stattfinden. Wesentlich ist das Gestalten der Tages- und Jahreszeiten mit ihren Festen als wichtiger Gemeinschaftsimpuls für alle Schützlinge.
Das Ziel ist, die Ich-Findung und die Fähigkeit in einer Gemeinschaft tätig zu werden, sich in einer Gemeinschaft erleben zu können und damit dem eigenen Leben Sinn und Inhalt zu geben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Therapien


Malen – Plastizieren  Musizieren – Glockentherapie  Heileurythmie - Wärmetherapie - Krankengymnastik


Die Betreuung im Haus Michael ist eine ganzheitlich individuelle. Sie wird gestaltet unter individuellen Gesichtspunkten nach den Möglichkeiten der verschiedenen Schützlinge und gliedert sich neben dem lebenspraktischen Bereich in handwerkliche Arbeiten und Therapien.


Die Notwendigkeiten der Betreuung und Therapien werden in den Konferenzen ermittelt unter Mitwirkung des behandelnden Arztes. Die Förderung erfolgt individuell. Für jeden Bewohner wird ein eigener Förderplan erarbeitet, der immer wieder überprüft wird..
Betreut durch einen anthroposophischen Arzt, werden die Schützlinge durch eine besondere naturheilkundliche Behandlung und den Einsatz spezieller künstlerisch-schöpferischer Therapiemethoden zunächst an die einfachsten Menschenkontakte herangeführt. Es wird eine Aktivierung des Gefühls- und Seelenbereiches angestrebt, die nicht nur zu einer sozialen Eingliederung führt, sondern die Möglichkeit einer allgemeinen Weiterbildung aufschließt.
Bei den Erwachsenen ist wichtig der Wechsel der Tätigkeiten im Tageslauf und regelmäßiges therapeutisches Tun. Musikalische und darstellende Veranstaltungen (Schauspiel und Eurythmie) mit namhaften Künstlern werden durchgeführt, u.a. um den Erlebnisraum der Schützlinge zu erweitern.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Aus der Kunsttherapie


Sinneswahrnehmung   –   Sinnwahrnehmung

Im Plastizieren mit Ton und im Formenzeichnen (Grundelementen und Grundformen in fließender und rhythmisierter Bewegung) betätigen wir uns schöpferisch mit denjenigen Kräften, die unbewusst ständig in unserem Leib wirken. Wir bauen unseren Körper auf aus den Kräften der Nahrung und der Umgebung und geben ihm unsere (ur-)eigene Form bzw. erhalten diese im Fluß des Lebens.     
Dabei benutzen wir die tief in der leiblichen Organisation verankerten „Wahrnehmungs – Tore die uns Rückmeldung geben von unserem leiblichen Befinden, von der Grenze zwischen unserer Körperoberfläche und den Oberflächen „draußen im Ertasten, von unserer Gleichgewichtslage im Raum und von den Bewegungen, die wir ausführen, nun aber mit unserem freien, selbstbewußten Geist und unserer nach außen gewandten, einfühlenden Seele.
 
Unsere Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen  können dieses „Instrumentarium nicht so selbstverständlich ergreifen, wie wir es von uns selbst gewohnt sind. Die Wahrnehmung der eigenen Bewegungen fällt schwerer, so dass vor allem im feinmotorischen Bewegungsablauf, bei dem, was die Hände tun (sollen), ungleich viel mehr Aufmerksamkeit, Konzentration und Mühe eingesetzt werden müssen – bis es gelingt, dass die gewünschte Koordination ganz oder wenigstens annähernd so gelernt ist, dass sie „zur Verfügung steht. Dabei wird dieses Defizit eindrücklich und frustrierend erlebt, so dass unsere Betreuten viel beistehende Unterstützung und Lob brauchen, um sich darauf einzulassen, „ihren Händen etwas Neues beizubringen.

In Bildern leben

Unsere betreuten Menschen haben es schwer, aus sich heraus Bilder zu erschaffen, von Kindheit an fehlt ihnen die Fähigkeit zur Fantasie. Ihre Seele braucht diese „Nahrung durch unsere Hilfe. Ein Weg, der dankbar angenommen wird, wenn er von uns für sie „zubereitet wird, ist z.B., nach Märchenmotiven oder in der Stimmung von Jahres- und Festeszeiten (mit dem Naturgeschehen als sich offenbarender Weltenseele) mit ihnen zu malen oder Gegenständliches zu formen. Sind es auch zunächst oft nur Anteile, die sie mit hineingeben (können), erleben sie das, was man als inneres Bild im Vorlauf lebendig macht, „ohne Filter mit. Dann kann es sein, dass man staunt, wie z.B. der am liebsten ganz verhüllte Sven in ein befreites, kraftvolles Lachen ausbricht angesichts eines „Büffels, der sich aus seinem kühlenden Schlammbad erhebt, Hasan kichernd ob seiner Macht als „Riese mit hilft, „Bäume wachsen zu lassen, oder Kora sich zwei Wochen lang mit täglich erneuter andächtiger Freude einem Bild aus farbigem Bienenwachs, einer Darstellung der „Verkündigung an Maria, widmet.

Sinn erleben, sinnvoll handeln

In unserer Arbeit mit künstlerischen Elementen, z.B. mit räumlichen Formen und Bewegungsformen, motiviert die Freude am Enstehenden – denn es zeigt sich immer wieder, dass bei unseren Betreuten ein gut ausgebildetes, untrügliches Gefühl für das wirklich Schöne als Gabe vorhanden ist! – und am Entstehen- Lassen, dem befreienden Gefühl, selbst Schöpfer zu sein.
Ein Beispiel: Die „platonischen Körper mit ihrer zentrierenden und ordnenden Wirkung der Formen aus der „kosmischen Geometrie werden in beiden Händen aus der Kugel herausgestaltet.
Von sich aus würde der sechzehnjährige Hasan zerstreut krümeln oder seine Finger in einen Tonklumpen hineinbohren, um sie darin – „gut untergebracht ruhen zu lassen, denn es stellt für ihn eine beträchtliche Herausforderung dar, den Ton zu verdichten, kräftig einzuwirken auf die Masse und dabei die Kraftrichtung zu bündeln auf den Mittelpunkt des Werkstücks. Bereitwillig läßt er sich die Hände führen und freut sich, als aus dem amorphen Ton nach wenigen Handgriffen nach und nach die klare geometrische Form erscheint. Während er beim ersten Versuch aufmerksam erfährt, was durch die ungewohnte Haltung der Hände und die ihm weitergegebene Druckkraft geschieht, kommen in den darauffolgenden Malen die Hände dem kugeligen Gebilde erwartungsvoll entgegen, um gemeinsam wieder anzusetzen. Wenn sein eigener Impuls spürbar mitmacht, ist ein erster großer Schritt getan.
Ein weiteres Beispiel:
Im Formenzeichnen führen wie die Bewegung  im „atmenden Wechsel von Beschleunigen und Verlangsamen, im Wechsel von „schwellenden oder „saugenden Formen, im Rhythmus von beschwingtem, eher träumenden Fließen und eckiger Zäsur, welche wach macht.
Mit Kora, die Naturstimmungen intensiv miterleben kann, wird die Grundform eines Blattes, das wir am Wegrand mitgenommen haben, in eine fließende Bewegung übersetzt. Unsere Stimmung ist „aufgewärmt : Wir haben das Fundstück erst einmal interessiert und genau betrachtet (das muß man sich so vorstellen: Sie nimmt es durchaus wahr, fixiert es aber nicht kontinuierlich mit den Augen, sondern hält ihre konzentrierte Aufmerksamkeit durch die meine und meine beschreibenden Worte), dann schwingen wir zwischen Zentrum und Ausbreitung in drei Flächenrichtungen – es ist ein Kleeblatt. Kora erkennt die Form lächelnd während des Zeichnens wieder und gibt selbst Richtung und Kraft mit hinein. Auch wenn ihre Hand, die zusätzlich durch eine Spastik am willkürlichen Gebrauch gehindert ist, keinen Zeichenstift alleine führen kann, verwirklicht sie doch einen eigenen Impuls und schickt ein frohes Lächeln zur fertigen Zeichnung hin, die dann in etwas Abstand vor uns steht, um sie noch einmal als Ganzes wahrnehmen zu können.
Im Rhythmus des Atmens liegt die Harmonie unseres seelischen Wohlbefindens – der Atem zeigt in jedem Augenblick, ob wir mehr oder weniger tief „in uns ruhen und uns frei der Umwelt zuwenden können oder nervös, ängstlich, „abwesend oder blockiert sind. Wie es für das heranwachsende Kind wichtig ist, mit Hilfe seiner Umgebung den regelmäßigen Atemrhythmus erst einmal auszubilden, hilft es dem Menschen mit der erkrankten Konstitution, durch Begleitung von außen unterstützt zu werden, aus Verkrampfung und Stauung, Lethargie oder unkontrolliertem Fallen von einem ins andere Extrem herauszufinden. Das kann durch verschiedene Mittel und Anwendungen geschehen.
Im Bereich der künstlerischen Therapien ist dies außer dem „Formenzeichnen mit den oben beschriebenen Qualitäten der Umgang mit den Farben in entsprechender Gestaltung. Sie tragen das ganze Spektrum zwischen Verdichten und Lösen, Verdunkelung und Aufhellung, Passivität und Aktivität (usw.) in sich.
 

Sabeth Köhler
Kunsttherapeutin

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